Berlin, Berlin! Die re:publica 2011

Vor etwa zwei Wochen besuchte ich die re:publica in Berlin. Mit etwas Abstand hier nun ein Bericht über ein paar Highlights.

Kurz zu Beginn: was ist die re:publica?
Die re:publica ist eine Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft, auf der rund 200 Vortragende etwa 150 Sessions (Vorträge, Diskussionen, Workshops) abhielten.

Ein Fazit in 3 Sätzen.
Generell eine interessante Veranstaltung, deren Themen recht vielfältig und interessant waren. Der „digitale Gesellschaft“ Anteil war spannend aber für meinen Geschmack etwas zu hoch. Die Session mit Inputs für den unternehmerischen Alltag etwas zu mager.

Ein paar interessante Punkte gibt es aber auch von dieser Front zu berichten:

„Facebook im Unternehmen“ – Wie sieht die Zukunft von Social Media Tools im Unternehmenseinsatz aus?
IBM stellte ihre Antwort auf diese Frage mit „Lotus Live“ vor.  Dieses Tool, das wie ein Mashup aus Google Docs, Facebook, Twitter und anderen gängigen Tools wirkt, vereint die Funktionalitäten der Services in einem Produkt. Das Versprechen dahinter: bessere interne Kommunikation, klarere Organisation, schnellere Kommunikationswege, und ressourcenschonendes Projektmanagement.

Das „Social Media No-Go“ Beiträge löschen – darf man das?
Eine sehr interessante Session war „TV kills the YouTube-Star“. Es ging dabei um die Frage, ob YouTube zum Mainstream wird  (Themenkanäle auf YouTube, etc.) oder ob sich sich traditionelles Fernsehen in Richtung Youtube entwickelt.

Interessante Aspekte der Diskussion waren für mich zum einen die Erfahrungen, mit welcher Art von Videos die Panelteilnehmer erfolgreich sind/waren. Inhalte sind hier natürlich ein großes Thema (Nischen-Content vs. Feature-Filme), aber auch was den Schnitt des Materials betrifft: im Fernsehen gehe der Trend zu immer schnelleren Schnitten, was auf YouTube nur mäßig funktioniere – und umgekehrt.

Ebenfalls thematisiert wurde die Monetarisierung über YouTube, was zum Beispiel für den netbooknews.de – Blogger Sascha Pallenberg ein lukratives Geschäftsmodell sei.

Besonders spannend war der Teil zum Umgang mit (einer hohen Anzahl von) negativen Kommentaren. Konstruktive Reaktion auf kritische oder negative Beiträge seien nur bis zu einem gewissen Punkt sinnvoll, so Christoph Krachten von Clixoom. Das „Social Media No-Go“ Beiträge zu löschen unter allen Umständen zu respektieren ist ihm zufolge nicht immer der richtige Weg. Droht die Gefahr eines Shitstorms, helfe eben nur noch das konsequente, kommentarlose Löschen der Beiträge, bis die „Krise“ überstanden sei. Durch Argumentation oder Rechtfertigung schaukle sich ein Shitstorm – ob gerechtfertigt oder nicht – ab einem gewissen Punkt nur immer weiter auf und sei nicht mehr zu kontrollieren.

Interessant zu diesem Thema ist auch der Vortrag von Sascha Lobo, der auf seine ganz eigene Art die deutsche Szene kommentiert und seine Erfahrungen mit sogenannten „Trollen“ kund tut. Nicht von der re:publica, aber auch themenrelevant und interessant ist hier auch der Brouhaha Podcast, der Social Media Fehltritte und die darauf folgenden Lösungsversuche der Unternehmen portraitiert.

Mehr zu „TV kills the YouTube-Star“ auf der re:publica Website.

Wenn Lehrer wieder „echt Pädagogik machen“ müssen
Einen weniger praktischen als visionären Vortrag hielt von Gunter Dueck. In seinem  Vortrag „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ präsentierte er seine Einschätzung zur Rolle des Internets im digitalen Wandel der Gesellschaft und stellte sehr interessante Prognosen auf, auf welche Veränderungen wir uns auf persönlicher wie professioneller Ebene einstellen müssen.

Mehr zum Vortrag inklusive der Präsentation gibt es hier. Ein Mitschnitt des Vortrags findet sich bereits auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=MS9554ZoGu8

re:publica, eine Reise wert?
Ein eindeutiges Ja. Obwohl die Sessions nicht immer das waren, was man sich erwartet hat, nimmt man immer etwas Interessantes mit. Und auch wenn das neu erworbene Wissen nicht direkt in den Arbeitsalltag integriert werden kann, ist die Auseinandersetzung mit der Thematik unverzichtbar und macht sich auf längere Sicht auch bezahlt. Hinzu kommen die Diskussionen und persönlichen Kontakte mit der Szene vor Ort, die unbezahlbar sind. In diesem Sinne: bis nächstes Jahr, Berlin.

Alle weiteren Infos zur re:publica gibt es hier: http://re-publica.de/11/, zahlreiche Fotos finden sich bereits auf Flickr.

Titelbild: dirk haeger | re:publica 2011

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Eine Antwort auf Berlin, Berlin! Die re:publica 2011

  1. Absolut richtige Einschätzung. In Berlin geht es um das große Ganze. Man nimmt immer etwas mit. Wenn man direkt umsetzbare Impulse sucht, ist man auf den großen BarCamps sicher besser aufgehoben.

    Und der Klassentreffen-Effekt ist unschlagbar. Weil die re:publica keinen regionalen Fokus hat sind einmal im Jahr echt *alle* da. 🙂